Seinen Vorbildern nachzueifern ist selten eine schlechte Idee – Erst recht in Zeiten einer laufenden Europameisterschaft.
Wenn das Ganze dann allerdings in einer beinahe originalgetreuen Kopie des Spiels unserer Nationalmannschaft gegen Norwegen endet, bleibt unter dem Strich nur festzuhalten:
2 Punkte eingefahren. Haken dran.
Ungewohnte Voraussetzungen – Keine Ausreden:
Schon vor dem Anpfiff war klar, dass es kein Selbstläufer werden würde. Wir mussten in ungewohnten Konstellationen antreten, da einige Leistungsträger entweder gar nicht oder nur phasenweise zur Verfügung standen. Das soll und darf jedoch keine Ausrede sein, vor allem nicht für das, was sich defensiv über weite Strecken zeigte.
Denn eines muss man ehrlich sagen:
In der Abwehr fanden wir zu keinem Zeitpunkt wirklich ins Spiel.
Andi Wolff 2.0 – Unsere Lebensversicherung:
Dass wir trotz der defensiven Probleme nicht frühzeitig ins Hintertreffen gerieten, lag einzig und allein an unserem überragenden Torhüterduo. In bester „Andi-Wolff-Manier“ entschärften unsere Keeper reihenweise klarste Torchancen, während unsere Abwehr oft nicht mehr als Begleitschutz leistete.
Ohne diese Paraden hätte das Spiel einen ganz anderen Verlauf nehmen können.
Respekt an dieser Stelle!
Vorne solide, aber ohne Flow:
Im Angriff sah es nur bedingt besser aus. Zwar kamen wir zu unseren Toren, doch lebten wir hier vor allem von unserer individuellen Klasse. Bewegung, Dynamik und Spielfluss blieben über weite Strecken aus.
Bei all der Kritik, zur Wahrheit gehört aber auch: Uns fehlt aktuell die nötige Lockerheit, um wirklich in unseren Flow zu kommen, der uns sonst so auszeichnet.
Spielverlauf: Wille schlägt Wachsamkeit
Die Jungs aus Rheinhessen machten es uns schwer und das nicht, weil sie handballerisch überlegen waren, sondern weil sie brannten. Sie waren wach, schnell in der Vorwärtsbewegung, motiviert in der Deckung. Genau diese Eigenschaften ließen wir lange Zeit vermissen.
Defensiv kamen wir nie in unseren Rhythmus. Personelle Wechsel und taktische Umstellungen brachten keine spürbare Verbesserung, wir waren meist den einen obligatorischen Schritt zu spät. Offensiv agierten wir ordentlich, ohne zu glänzen. Die Qualität war da, die Überzeugung jedoch nicht immer.
Der Halbzeitstand von 17:15 war entsprechend schmeichelhaft und täuschte über einige Baustellen hinweg.
Mehr Struktur – Vorentscheidung – unnötige Spannung:
Auch in der zweiten Hälfte änderte sich das Bild zunächst kaum. Bis zum 22:21 (33. Minute) blieb es ein ständiges Hin und Her. Erst in den darauffolgenden zwölf Minuten hatten wir erstmals das Gefühl, das Spiel wirklich zu kontrollieren. Unsere Aktionen wurden strukturierter, klarer, konsequenter.
Der Lohn:
Eine 35:28-Führung (45. Minute) – Die Vorentscheidung.
Doch selbst danach ließen wir die Gäste noch einmal rankommen und ermöglichten ihnen bis zum Schlusspfiff das 37:33.
Fazit: Gebraucht, aber wertvoll
Am Ende gibt es auch für solche Siege nur 2 Punkte – 2€ ins Phrasenschwein.
Es war kein gutes Spiel, es war kein schönes Spiel, abgesehen von unseren Torhütern, war es ein insgesamt gebrauchter Tag.
Aber: Wir haben trotz aller Widrigkeiten nicht den Kopf verloren, das Spiel gewonnen und die Punkte eingefahren. Das spricht für Charakter und stimmt, bei aller berechtigten Kritik, positiv.
Jetzt gilt es, die richtigen Lehren daraus zu ziehen, denn in den kommenden Wochen müssen wir vor allem wieder wacher, gieriger und konsequenter in der Abwehr auftreten.
Arbeiten wir daran!
Eure mB1



